Hier: Lebensraum – Systemkritik

Risikobelange für Gebiete unter Bergbaueinfluss Stand 05/2020

In Anlehnung an die Veröffentlichung einer Stehle über historische Pegelstände in Wesel haben wir aktuelle Pegelmarken zur allgemeinen Kenntnisnahme hinzugefügt.

Desweiter ist unter BHQ 2004 der aktuelle Hochwasserschutzgrad von 23,65 m ü.NN am Pegel Wesel (ohne Freibordmaß) im Vergleich zu den historischen Wasserspiegellagen genannt.

Weiterhin habe wir vom ehemaligen Staatlichen Umweltamt Darstellungen hochwassergefährdeter Gebiete von 1926 und 1990 angefügt. Deutlich wird dabei, dass bereits seinerzeit ein Wasserzufluß, folglich Überflutungen Niederländischer Gebiete nicht ausgeschlossen wurden.

Die Studie von 2004, „Grenzüberschreitende Auswirkungen von extremem Hochwasser am Niederrhein“ präsentiert, mit Blick auf 2020(!) Unsicherheiten beim Deichschutz durch Überströmung bzw. Deichbrüche. Wobei die Aussage deutlich macht, dass der Hochwasserschutz am Niederrhein nur bis zu einem Hochwasserabfluss von max. 11.000 m³/s besteht

Die im Zusammenhang mit der Studie von 2004 erstellte digitale topographische Karte zeigt u.a. die aktuellen  Geländehöhen an. Die Besonderheit dabei ist, dass der Höhenschnitt in Meterabstufungen farblich dargestellt werden kann. Fachleute die sich mit „Wasserwegigkeiten“ befassen, werden daraus ihre Schlüsse leichter ziehen können.

Weshalb 2003 die damalige Landesregierung die Veröffentlichung des digitalen Kartenwerks gestoppt hat, ist nicht nachvollziehbar. Der HWS konnte noch 2004 die TOP 50 erwerben.

Extremhochwasser vernichten Niederrheinmetropole

Die Bewohner der niederrheinischen Tiefebene sind Überschwemmungsrisiken und seit dem 19.Jh. Bergbaueinflüsse ausgesetzt, die andere Regionen in Deutschland nicht haben.

Die Rahmenbedingungen zur Gewinnung heimischer Bodenschätze von Stein- und Braunkohle, Steinsalz, lag in der Vergangenheit auf Sicherstellung der Versorhungssicherheit der Einwohner und zur wirtschaftlichen Entwicklung unseres Landes.

Die Einsicht darüber, dass der Schutz und die Sicherheit der Bewohner auch einer sozialen und wirtschaftlichen Wertschätzung zu entsprechen habe ist bislang gesetzlich nicht gegeben. Es sind die indirekten wertmindernden Einglüsse, die durch Bergsenkungen den Wert des Eigentums mindern, die Muldenbildung das Überflutungsrisiko steigern bis hin zum Totalverlust und Lebensgefahr führen kann. Weite besiedelte Gebiete befinden sich schon derzeit unter dem Niveau des Rheinwasserspiegels.

Weiterhin steht das Bergrecht vor dem Recht des Grundgesetzes. Daran hat auch die Pflicht zur Umweltverträglichkeitsprüfung hinsichtlich der Schutzgüter nicht die sozial-politischen Forderungen auf Unverletzlichkeit des Eigentums aufgegriffen, die mit den indirekten Folgen des Bergbaus insbesondere im Flußgebiet des Niederrheins besteht.

Infolge  zunehmend extremer Rheinabflüsse hat eine im Auftrag der Landesregierung durchgeführte wissenschaftliche (von 1997) Studie das Schadensausmaß eines Extremabflusses mit über 125 Mrd. Euro ergeben. Anlass war die “erschreckende” Erkenntnis über den Zustand der Hochwasserschutzanlagen und des verantwortlichen Managements.

Darauf folgende Studie von 2004 betrachteten extreme Situationen im Grenzgebiet von Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden, indem auch klimatische Veränderungen die betrachteten Szenarien beeinflussten. Mit dem Ergebnis (und der aktuellen Erkenntnis von 2019), dass Extremabflüsse durch absehbare Klimaextreme keinesfalls mehr beherrschbar wären.  Folge: worst case.

Anmerkung: Wegen permanenten Sanierungsüberhangs an Hochwasserschutzanlagen sind Rheinabflüsse in NRW  noch bis ca. 12.000 cbm/s  beherrschbar.

Konsequenz:

Gefahrenpotenzial:     Dauervernässung, Unbewohnbarkeit und Gebietsaufgabe einer bergbaugeprägten Region

Strategie:                       Extremabflüsse dürfen den Niederrhein nicht erreichen (Prüfung von Alternativen)

Problemlösung:   Gerinneentlastung als Ansatz zum grenzüberschreitenden Hochwasserschutz, Einbindung  strategischer Braunkohletagebau-Folgenutzungen,     Gerinneanschluß an die Wasserstraßen der Benelux-Länder in Bezug auf historische Kanalplanungen.

WASSERWEGE sind unverzichtbare Lebensadern

Wozu sind sie gut?

  • sind oberirdische Wassersammler und sind Wassertransportrinnen, dienen der Gerinneentlastung

  • eignen sich als Warentransportweg fördern die Infrastrukturentwicklung dienen der Freizeitgestaltung

  • dienen der Entlastung des Schienen- und Straßengüterverkehrs, haben keine Ruhezeiten

  • Wasserfahrzeuge haben größere Transportkapazitäten gegenüber LKW`s. Sind umweltfreundlicher

  • künstliche Wasserwege (Kanäle) verbinden Metropolregionen und kreuzen andere Wasserwege

  • Kanäle führen selten Niedrigwasser

  •  Neue Kanäle verbinden internationale Wasserstraßen

  • führen zu engeren internationalen Netzen und Infrastrukturen   

Kritische Anmerkungen zum Zusammenschluß der Deichverbände Orsoy und Poll hinsichtlich ihrer Satzung im Jahre 2017 Kritische Anmerkungen zum Deichverband D-X

Bezirks-Reg. D´dorf 2001, Hochwassersituation Rückblick, Schockwirkung 1993/1995, Ausblick BR-Ddorf Schneider 2001

MUNLV-Düsseldorf 04.10.2004, Hochwasserschutz im Einfluss von Bergsenkungen am Niederrhein Kolf-04.10.2004

 

HWS 02.2018: Deutschland auf dem Abstellgleis Deutschland auf dem Abstellgleis

HWS 10.01.2020: Das BERGGESETZ – ein Relikt des Obrigkeitsstaates Rechtslage BBergG

Infrastrukturen entstehen durch Bedürfnisse (Historikerin Dr. Lina Schröder 2017): ZUR SACHE 0-Zur Sache 

 

 

 

Unverantwortliche Schutzbehauptung des Ministeriums

Die Aussage der Bezirksregierung zum Stand der Deichsanierung vom gleichen Jahr vermittelt uns das Gegenteil! Vortrag vor dem Regionalausschuss: 53PA_TOP8_Vortrag_Hochw

 

 

 

Ein Freibrief für Verantwortliche

Ein Glücksspiel von Sicherheit am gefährlichsten Strom Deutschlands

Hochwasser-Risikokarte:

Zahlenangabe entspricht der Anzahl betroffener Menschen

In Repelen = 27.000 Personen

In Moers-Mitte = 51.000 Personen

Tjerk Miedema Kleve, Juni 2005 Heldstr. 29, 47533 Kleve (D)

Die Verwaltung des Rheinstromgebietes ist ohne Regie
Der Rhein ist einer der größten Flüsse Europas und ist eine unentbehrliche, sehr wichtige Verkehrsader. Das Stromgebiet wird von einer sehr vielfältigen Agglomeration und starken Konzentration von Menschen gekennzeichnet; ausgedehnte Wohn-, Arbeits-, Landbau- und Naturschutzgebiete; vitale und weniger vitale Industrien mit ihren zugehörigen Betriebsprozessen; die Lagerung von unschädlichen und schädlichen Produkten und Stoffen; die Verarbeitung von vielen verschiedenen schädlichen Stoffen und von Gütern mit wirtschaftlichem Wert.
Dies alles funktioniert mit einer ausgedehnten, unentbehrlichen Infrastruktur und schafft nicht in letzter Instanz ein gigantisches Arbeitspotential. Der Rhein ist über einen langen Zeitraum kanalisiert und begradigt worden, meistens zugunsten der Landschaftsplanung und hat inzwischen sehr viel von seiner natürlichen Hochwasserkapazität verloren.
Niemand wird bestreiten können, dass das gesamte Rheinstromgebiet mit all seinen Facetten, vor allem für Deutschland und die Niederlande, von entscheidendem sozialwirtschaftlichen Interesse ist.
Die Wichtigkeit dieses Interesses lässt sich leicht und gut veranschaulichen durch jeweils – das betreffende investierte Vermögen, – die fundamentale ökonomische Bedeutung, das primäre und sekundäre, durch Hochwasser verursachte Schadenspotential oder durch andere Unstimmigkeiten, die mit den Bruttosozialprodukten der anliegenden deutschen Ländern und dem der Niederlande zu vergleichen sind. Hierbei sollten alle Aspekte die das Leben, Wohnen und Arbeiten im weitesten Sinne betreffen in Betracht gezogen werden.
Es geht um die Sicherstellung der Sicherheit der Bürger und um den Schutz von ökonomischen Werten, die Landesplanung, die Trinkwasserversorgung, Grundwasser- Beherrschung, das Wahren von guten Grundbedingungen für ein kontinuierliches attraktives Investitionsklima und von Umweltaspekten, usw., usw., sowohl auf kurze als auch auf lange Sicht. Alles in einem also ein sehr umfangreiches und komplexes Ganzes.
Wie Deutschland und die Niederlande einer Flutkatastrophe entgegensehen.
Diese Publikation möchte erläutern, dass das ganze Rheinstromgebiet in all seinen Facetten unter der gegenwärtigen komplexen Organisationsstruktur nicht mehr professionell beherrschbar ist und ein Wandel im Denken notwendig ist, um die Zukunft des sozialökonomischen Funktionierens dieses Gebietes zu sichern.
Die heutige Situation bedeutet vor allem für Deutschland und die Niederlande ein breites Spektrum an negativen Merkmalen, die man nicht ignorieren darf.
Eine in der Praxis nicht wirksame Verwaltung, – eine vernachlässigte Sicherheit der Bürger, – das untergraben des Investitionsklimas vor allem in Nordrhein-Westfalen, – ein bleibendes und zunehmendes Schadenspotential und Verletzbarkeit, – Kostenerhöhungen, – eine Unwucht zwischen ökologischen und sozialwirtschaftlichen Interessen, – das Ignorieren von alternativen Entwicklungen, – die absolute Unmöglichkeit zur Verwirklichung eines optimalen Schutzes – und Schadensbegrenzung, – das Leugnen des eigentlichen Problems, – ein schlechtes Risikomanagement, – das Auftreten von Symptomen der Kartellbildung und grobe Diskrepanzen zwischen Bund und Ländern.

Die auf dieser Weise operierende Verwaltung wird von zwei katastrophalen und vernichtenden Entwicklungen negativ beeinflusst.

Erstere ist, dass die Politik (die beschlussnehmende Instanz), die sich von der Problematik fernhält, inzwischen Teil des Problems geworden ist und mit zu einer Bedrohung geworden ist; eine Politik, die auf eine Katastrophe zusteuert.
Die zweite Entwicklung ist die noch immer in Deutschland existierende Bergbau und Landwirtschaftlobby, die vollkommen ungerechterweise immer noch viel Macht und Einfluss haben. Bergbau ist für Deutschland seit langem nicht mehr von derart strategischer Wichtigkeit, dass ein Abbau unter dem Rhein gerechtfertigt ist und die Landwirtschaft dem Rhein entlang ist nach investiertem Vermögen (< 1%) berechnet absolut unwichtig.
Momentan ist Deutschland seit längerer Zeit bei der Verwaltung des Rheins ein absolut instabiler und unberechenbarer Faktor, was auf die Dauer wohl sehr negative Folgen für die Niederlande haben könnte. Kurz, enorme organisatorische Missstände.
Die zukünftige Verwaltung braucht eine klare Regie, einen belastbaren Ländervertrag, eine Führungsebene und ein Gesamtkonzept für alle wichtigen Ämter, inklusive des Schutzes und der Schadensbegrenzung, eindeutige Verantwortlichkeiten, ein professionelles Risikomanagement, eine deutliche Definition von „allgemeinem Interesse“, eine transparente Planung der Maßnahmen und ein tatkräftiges Projektmanagement.

Die Verwaltung des Rheinstromgebietes ist ohne Regie
Normalerweise ist eine adäquate Verwaltung eines dergleichen Gebietes ein primäres, sehr wesentliches Erfordernis und man muss ehrlichkeitshalber feststellen, dass es in den vergangenen 50 Jahren anscheinend einigermaßen gut verlaufen ist.
Jetzt wo man weiß, dass in diesem Stromgebiet grobe Fehler gemacht worden sind, die veränderten Umstände, das schlechter werdende Bedrohungsszenario und die derzeitige sehr umstrittene Verwaltungsstruktur, sollte man die Frage stellen, ob man für die Zukunft noch bewaffnet und imstande ist, um das Ganze in einer unveränderten Form zu managen.
Die Antwort ist einfach „nein“, denn es gibt überhaupt keine Regie, wobei die derzeitige zersplitterte, unklare und überholte Organisationsstruktur unmöglich noch als effektiv, effizient, tatkräftig betrachtet werden kann.
Man sollte sich auch die Frage stellen, ob das Rheinstromgebiet noch durch die einzelnen Ländern und Gliedstaaten zu managen ist, jeder in seine eigene individuelle Art.
Auch jene Antwort lautet „nein“, weil die meist elementaren Bedingungen bezüglich Organisationen und Verwaltung nicht erfüllt worden sind. Es gibt nämlich einen sehr schwachen Ländervertrag, – keine Gesamtpolitik, – kein Totalkonzept für Schutz und Schadensbegrenzung, – unklare und zersplitterte Verantwortlichkeiten, – eine undurchsichtige Menge an Organisationen, – keine vollwertige Risikoanalyse und keine Risikoverwaltung, – kein uniformes Projektmanagement, – keine Transparenz und, es gibt keine gute Konsens zwischen den betreffenden Ländern und den deutschen Gliedstaaten selbst. Was letzteres betrifft, es hat sich erwiesen, dass sie sich oft bestreiten.
Als Teil des Unterhaltes des Rheinstromgebietes ist seit mehr als 10 Jahre der Schutz vor – und die Schadensbegrenzung von extremem Hochwasser hauptsächlich durch die erwartete Klimaveränderung, aktuell. Wo Klimaforscher häufigen und heftigen Regenfall und längere Trockenperioden vorhersagen und sich Hydrologen und andere Experten mit diesem Thema beschäftigen, hüllt sich die deutsche und niederländische Politik in Stillschweigen und lässt es auf eine Katastrophe ankommen, so wie die Flutkatastrophe von 1953, die Elbeflut, die Verschiebung der Innendeiche usw..
Sowohl die deutsche als auch die niederländische Politik sind sich in einem unzureichenden Umfang darüber bewusst, dass eine mit dem Rhein in Verbindung stehenden Hochwasserkatastrophe sozialökonomische Schäden von beispiellosem Umfang hervorruft. Es muss jedoch ausdrücklich festgehalten werden, dass auch andere, nicht genannte, potentielle Bedrohungen nicht ignoriert werden dürfen.
Betrachtet man die praktische Situation von 1995 bis 1998, so kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Um einen Eindruck von den organisatorischen Missständen und eine Einschätzung der Situation zu bekommen, ist es wesentlich die Hintergründe zu berücksichtigen.
1. Durch schlechten Unterhalt der Deiche hat Deutschland jahrelang die Sicherheit der niederländischen Achterhoek bedroht. (Deutschland hat sozusagen seine eigene Gesetze ignoriert). Zum jetzigen Zeitpunkt ist es noch immer fraglich, ob die Deiche den Sicherheitsbestimmungen entsprechen.
2. Aus neuesten gemeinsamen deutsch-niederländischen Untersuchungen (Hochwasserkonferenz in Rees, 2004) wird deutlich dass bei dem jetzigen Zustand der deutschen Deiche die Gefahr eines Deichbruches bei extremem Hochwasser irgendwo zwischen Bonn und Xanten wahrscheinlich ist, was die Niederlande im Grunde vor Überflutung schützt.
3. Der deutsch-niederländische Vertrag ist derart schwach, dass die Probleme zu niedrig gelegenen Regionen verschoben werden und die Zusammenarbeit behindert wird, so wie es sich bereits herausgestellt hat.
4. Deutsche Regierungsbehörden haben unzureichendes Wissen, wodurch viele Vorgänge durch externe Gutachter meist durch „gute Beziehungen“ abgewickelt werden müssen, mit allen negativen Auswirkungen, die solch eine Vorgehensweise zur Folge hat.
5. Das Institut der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) hat zwar Zielsetzungen, und es finden auch Aktivitäten statt, jedoch richtet sich dieses Institut nicht auf eine dauerhafte Sicherstellung vom sozialökonomischen Lebens- und Arbeitsraum. Es gibt keine andere Organisation, die sich mit diesem Thema beschäftigt und außerdem liegt jetzt der Schwerpunkt zu viel auf der Ökologie. Es besteht ein Ungleichgewicht zwischen dem sozialökonomischen und dem ökologischen Aspekt.
6. Die gesamte Rheinhochwasserproblematik manifestiert sich vor allem in technischen Lösungen, obwohl das Problem eigentlich von primär organisatorischer Art ist. Die Verwaltung des Rheinstromgebietes ist ohne Regie
Bis zu dem Zeitpunkt an dem Deutschland in irgendeiner Weise ein Konzept zum Hochwasserschutz aufgestellt hat, scheint die Situation sich auf die Dauer zu Ungunsten 7. der Niederlande zu wenden. Die Bedrohung wird zu einem russischen Roulette sowie Hydrologen aus Delft bereits vorhergesagt haben.
8. Für beide Länder ist es strategisch von großer Wichtigkeit zu wissen, welche Auswirkung längere Trockenperioden auf die Schifffahrt auf dem Rhein, auf dem Duisburger Binnenhafen, den Hafen von Rotterdam und den Gleisgütertransport (Betuwelijn) hat. Alles ist zum jetzigen Zeitpunkt noch undeutlich.
9. Am bizarrsten ist wohl die Situation, dass in NRW der Abbau von nicht mehr strategische bedeutungsvoller Steinkohlen unter dem Rhein zugelassen wird, wodurch ein bis zu 12 m tiefe Absenkung entsteht. Neue Gebiete z.B. die Stadt Goch werden unnötig in Gefahr gebracht. Die Verwundbarkeit des betroffenen Gebietes wird unwiderruflich vergrößert (eine Überflutung in dem Abbaugebiet schafft enorme Evakuierungsprobleme und hinterlässt einen permanenten See).
10. Die deutsche Staatspolitik (von renommierten Deutschen selbst als „Tratschgesellschaft“, „Talkshow-Politiker“, träge Reformpolitik und schwaches Parlament bezeichnet) und die betroffenen Länder sind sich nicht darüber bewusst, dass die Möglichkeiten für Investoren durch Unschlüssigkeit der Politik untergraben werden (welcher Unternehmer ist denn so verrückt sich in einem potentiellen Überflutungsgebiet oder abgesunkenen Gebiet mutwillig niederzulassen). Inzwischen zieht die Industrie daraus bereits ihre Konsequenzen.
11. Die Berechnungen bezüglich der Schäden sind in Deutschland unvollständig und unkorrekt angefertigt, wodurch niemals richtige Entscheidungen getroffen werden können und falsche Einschätzungen über die Finanzierung entstehen.
12. Vor allem in Deutschland fallen vitale und weniger starke Unternehmen unter ein durchschnittliches Regime von Deichpflege. Zerrüttungen in solchen Unternehmen haben schwere ökonomische Auswirkungen.
13. In eine kürzlich stattgefundene Sitzung des Landtages NRW (Ende 2004) wurde deutlich, dass die deutsche Katastrophenschutzplanung in NRW und wahrscheinlich in ganz Deutschland, sich in einem desolaten Zustand befindet. Das Land ist nicht imstande die entstehenden Schäden zu begrenzen. Das bedeutet, dass jeder das Rad neu erfinden muss, was enorme extra Kosten verursacht.
14. Es stellt sich heraus, dass sich in Deutschland sehr viele Institutionen mit der Hochwasserproblematik beschäftigen, wobei jedoch kaum oder keine Abstimmung oder Austausch von Information stattfindet. Ineffizienter Umgang mit Ressourcen und Geldverschwendung also.
15. Das Nichtzustandekommen der durch die Niederlande beschlossenen sogenannten „Noodoverloopgebieden“, scheint für die Deutschen und niederländischen Anrheiner ein Sieg. Bei Betrachtung der Gesamtsituation stellt sich dieser Sieg jedoch als Illusion heraus, wenn wirklich Not am Mann ist.
16. Die Zusammenarbeit des deutsch-niederländischen Grenzgebietes scheint zu funktionieren, jedoch ist es die Frage ob hier zur jetzigen Zeitpunkt die Priorität liegt und Geld hierfür ausgegeben werden muss.
17. Entlang des Rheins existiert eine große Anzahl sogenannter Bürgerinitiativen oder Aktionsgruppen, die meist in eigenem Interesse die nichtdefinierten öffentlichen Interessen untergraben. In dem Moment wo sie ihre Kräfte bündeln, verfällt das allgemeine Interesse und alles wird verzögert. Man kann nicht erkennen was nun eigentlich aus der Elbeflut gelernt wurde.
Das Obengenannte, das lediglich ein Ausschnitt aus einer Liste ist, die das Doppelte an vordergründig organisatorischen Missstände umfasst bedeutet, dass man bei dieser Verschiedenheit nie und nimmer zu optimalen Lösungen kommen kann. Das ist einfach unmöglich.
Es bedeutet ebenso, dass derart lange Beschlussbildungs- und Umsetzungsprozesse entstehen, dass man die Entwicklung von alternativen Strategien übersieht. Die deutsche und niederländische Politik sind beide ein Teil des Problems geworden.
Anstelle die Probleme zu lösen sieht man zu wie das Risiko zunimmt, wobei letztendlich der Bürger die Rechnung bezahlt.
In der Wirtschaft ist es üblich um in vergleichbaren Situationen u.a. ein gutes Gespür dafür zu bekommen, wo der Schuh wirklich drückt, wo Probleme bestehen, und man simuliert ein „worst case Szenario“. Im Übrigen muss man annehmen, dass Murphys Law (was geschehen kann, wird einmal geschehen) auch in Deutschland zutrifft.
Es ist ausdrücklich nicht meine Absicht in dem folgenden drei Beispielen ein Horror Szenario zu skizzieren.

Die Verwaltung des Rheinstromgebietes ist ohne Regie
1. Es ist bekannt, dass das Gebiet um Köln regelmäßig überflutet wird. Nur, dieses Mal ist die Situation viel schlimmer und Köln hat ernsthafte Probleme, wobei das Wasser den Bahnhof erreicht. Als Resultat stürzt die Infrastruktur für längere Zeit in einander. Die Ford-Werke, die sich ökonomisch sowieso schon in Schwierigkeiten befinden denken an eine Verlagerung des Standortes. 40% der kleineren Firmen gehen pleite.
2. Die Versicherungsgesellschaften beenden umgehend ihre Versicherungen und bieten keine neuen Angebote an. Viele Bürger befinden sich in Unsicherheit und finanziellen Problemen, was auch Auswirkung auf die lokalen Banken hat.
3. Angenommen, das Gebiet zwischen Moers und Xanten, wo der Steinkohleabbau stattgefunden hat und der untertägige Salzabbau weitergeht, wird von einer Überflutung heimgesucht. Laut Simulationen läuft das Gebiet nicht innerhalb einiger Stunden voll, jedoch wird die Evakuierung wegen der enormen logistischen Probleme schwierig werden. Dabei wird gegen alle Erwartungen auch das Grundwassersystem getroffen und aus dem Gleichgewicht gebracht. Auf jeden Fall wird aus dieser Situation ein großes Chaos entstehen. Letztendlich läuft das Gebiet bis zu einer Höhe von 9 bis 12 m unter Wasser ohne doch jemals wieder zu verschwinden.
Alles weg. Vermögen weg, Häuser weg. Eine Umgebung die mit allen Konsequenzen abgeschrieben werden kann.
4. Im Jahre 2020 ist Deutschland inzwischen nach langem hin und her zur Einsicht gekommen, hat seine Deiche verstärkt, jedoch herrscht über die Rückhaltegebiete keine Einigkeit. Durch die Anhäufung von Umständen findet bei Lobith ein Durchlauf von 18.000m³ statt und stellt eine regelrechte Bedrohung für die Niederlande dar. Eine einfache Rechnung beweist, dass man durch das Sprengen der Deiche am Niederrhein viel Schaden verhindern kann.
Die Essenz dieser drei Beispiele ist, welches Szenario man auch immer in der Praxis durchführt, es immer einen direkten Wandel im Denken des Bürgers, der Unternehmen und der Politik geben muss.
Man kommt nicht drum herum die Dinge komplett anders anzugehen.
Das Beispiel der Elbeflut scheint unzureichend um diesen Umdenkprozess einzuleiten. Es ist zu erwarten, dass vor allem die Politik das Obengenannte anfechten, drum herum gehen oder komplett als Panikmacherei abstempeln wird.
Als Antwort hierauf muss man der Politik die Verantwortung geben, dass sie die harten Tatsachen demonstrieren müssen und dass sie die Möglichkeiten haben die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Sowohl Deutschland als auch die Niederlande können es sich nicht erlauben das bestehende Risiko in Kauf zu nehmen und die Katastrophe abzuwarten sowie man es in der Vergangenheit immer gemacht hat. Des Weiteren ist bekannt, dass es 100% Sicherheit nicht gibt und diese Erörterung soll nicht vorwerfen dass nichts getan wird.
Es wäre doch wirklich eine Schande, wenn man in unveränderter Weise weiterhin so unsachgemäß mit der Sicherheit des Bürgers und dem gesamten sozialökonomischen Rheinstromgebietes umgeht und sich die Politik hinterher (nach der Katastrophe) in Ausreden stürzen oder erst eine Untersuchungskommission die Missstände bestätigen muss.

Carpe diem